Der Masterplan Verkehr und das Bürgerforum

Die Stadt Wien erarbeitet unter Miteinbeziehung der Bezirke derzeit einen Masterplan Verkehr, der die grundsätzliche Richtung der künftigen Verkehrsnetzentwicklung vorgeben soll. Im Folgenden stellt das BÜRGERFORUM JOSEFSTADT kurz seine Sicht der Herausforderungen und Lösungsansätze dar:

Eine Grundvoraussetzung für ein sinnvolles Verkehrsnetz insbesondere für den motorisierten Individualverkehr wäre eine Abkehr vom derzeit praktizierten Florianiprinzip, nach welchem die einzelnen Bezirke hauptsächlich bestrebt sind, diesen aus ihrem Gebiet unter dem überstrapazierten Schlagwort „Verkehrsberuhigung“ lediglich in die Nachbarbezirke abzuleiten.

Jede Stadt benötigt, nicht zuletzt auch zur Aufrechterhaltung ihrer eigenen Leistungen (Einsatzfahrzeuge, Müllentsorgung etc.), sowie für den Wirtschafts- und Privatverkehr ein leistungsfähiges Wegenetz für den motorisierten Verkehr. Bezirksübergreifend bedarf es eines Hauptverkehrswegenetz, welches auch die Funktion von Durchzugsstraßen darstellt, und innerhalb der Bezirksgrenzen sollten die Wege möglichst kurz sein, um unnötige Umweltbelastungen zu vermeiden.

Ein Kampf gegen motorisierten Individualverkehr, wie er seit einigen Jahren in Wien geführt wird, indem Verkehrswege wie durch den Umbau der Mariahilfer Straße abgeschnitten, Fahrzeiten innerhalb von Bezirken wie rund um die Mariahilfer Straße künstlich verlängert, sowie die Zeiten für Parkplatzsuche durch laufende Reduzierung von Parkplätzen hochgeschraubt werden, belastet nicht nur die Umwelt, sondern belastet auch die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung. Die Beeinträchtigung und Schwächung der Wirtschaft, insbesondere vieler Klein- und Mittelbetriebe, ist ein weiterer negativer Nebeneffekt dieser Politik.

Es bedarf wieder einer Zuwendung zu einer konsensualen Verkehrspolitik, die nach den Jahren des Gegeneinanders und der Polarisierung wieder das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer fördert. Dazu wird auch die Akzeptanz der jeweils anderen Fortbewegungsmittel und die Rücksichtnahme auf die jeweils schwächeren Verkehrsteilnehmer erforderlich sein.

Ein Bezirk ohne Durchzugsstraße wird es nicht schaffen, Verkehr rasch abzuleiten, ein Bezirk mit Einbahnringelspielen wird es nicht schaffen, seine Luftqualität zu verbessern.

Aus der Sicht des BÜRGERFORUMs JOSEFSTADT ergeben sich daraus folgende Hauptforderungen:

  •  Verkehrsbeschleunigung auf den Hauptverkehrsrouten (Durchzugsstraßen)
  •  Beibehaltung bzw. Wiedererlangung des erforderlichen Parkraums
  • Beseitigung künstlicher innerbezirklicher Verkehrsbehinderungen

Die Umsetzung des sogenannten „Hauptradverkehrsnetzes“ ohne Berücksichtigung von bestehenden Einbahnregelungen hat sowohl eine enge Verflechtung des Rad- mit dem öffentlichen und dem motorisierten Individualverkehr, sowie eine Vielzahl von mit Gefahrenpotenzial gespickten Radwegen entgegen Einbahnen hervorgebracht. Diese Einrichtungen bergen besonders vor Schulen oder in Straßen mit Schrägparkplätzen Gefahren.

Das BÜRGERFORUM JOSEFSTADT setzt sich für die Evaluierung des betreffenden Radwegesystems ein und befürwortet die Abstimmung von Radwegen mit bestehenden Einbahnsystemen. Damit soll besonders für die Rad Fahrenden das Sicherheitsgefühl verstärkt werden, indem ein häufiger Wechsel im Einbahngefüge vermieden wird, welcher die Aufmerksamkeit stark beansprucht.

Ein weiteres Problem, welches durch die zu rasche Umgewichtung im Verkehrsnetz hin zu einer Bevorzugung des Radverkehrs entstanden ist, ist der Mangel an Abstellplätzen für Fahrräder. Hier tritt das BÜRGERFORUM JOSEFSTADT für eine Förderung von Abstellanlagen innerhalb von Gebäudeflächen, etwa in Innenhöfen oder aufgelassenen Geschäftsflächen, ein. Dies hätte den zusätzlichen positiven Effekt einer Reduzierung von Raddiebstählen, die überdies mangels Identifikationsmöglichkeiten der Räder kaum aufzuklären sind.

Eine langjährige Forderung des BÜRGERFORUMs JOSEFSTADT betrifft – abgesehen von den Inhalten des Masterplans – weiters eine Kennzeichnungspflicht von Radfahrern z.B. mittels Registrierungsnummern auf zu tragenden Warnwesten, sowie eine Kennzeichnung von Fahrrädern analog zu Motornummern bei Kraftfahrzeugen. Dies würde sowohl in der Verkehrsdisziplin einen positiven Erziehungseffekt erzielen, als auch bei der Verfolgung von Unfallflucht und bei der Aufklärung von Raddiebstählen unterstützend wirken.

Der öffentliche Verkehr erschließt die Josefstadt, nicht zuletzt durch die geringe Flächenausdehnung des Bezirks, sehr gut, wobei allerdings noch eine Anbindung an die in Planung befindliche Linie U5 erstrebenswert wäre.

Probleme gibt es immer wieder mit den Straßenbahnlinien 2 und 5, die durch ihre große Streckenlänge für Ausfälle oder Verzögerungen sehr anfällig sind. Die Linie 5 wird häufig durch Falschparker in der Kaiserstraße bzw. Blindengasse behindert, was durch eine Adaptierung der Parkflächen in den Griff zu bekommen wäre. Die Linie 2 erfährt häufige Unterbrechungen durch die ausufernde Demonstrations- und Festkultur auf der Ringstraße. Das BÜRGERFORUM JOSEFSTADT tritt für den Einsatz von zusätzlichen, ab Ottakring bis Bellaria oder Oper kurz geführten Garnituren ein, um eine störungsfreie Frequenzerhöhung am Morgen und zu Büroschluss zu erzielen.

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